Wiederinbetriebnahme TN Mutteruhr - Neuling sucht Hilfe

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Wichtige Hinweise
Falls hier theoretische Hilfen angeboten werden, so sollen und können sie keinen Uhrmacher ersetzen. Sie sind ohne jede Garantie oder Gewähr und jeder muss selbst wissen, was er sich zutrauen kann und dass man mit einem Selbstversuch evtl. leichtfertig die Uhr zerstören könnte. Vor allen Dingen wertvolle Uhren gehören in die Hand eines Fachmanns. Vielleicht sogar eines Fachmanns hier aus dem Forum. Laien sollten unbedingt den oben angepinnten Hinweis über Uhrenfedern lesen.

Wiederinbetriebnahme TN Mutteruhr - Neuling sucht Hilfe

Beitragvon Commodore Man » Mi 7. Feb 2018, 20:29

Hallo zusammen,

Bevor ich mit meinem Anliegen los lege, möchte ich mich kurz einmal vorstellen:
Ich heiße Christian und bin 25 Jahre alt. Hobbytechnisch befasse ich mich mit Unterhaltungselektronik verganger Tage, Also "alten" Hifi und Videogeräten. Vom Plattenspieler, Tonbandgerät, diversen Videoformaten und Röhrenfernsehern ist hier alles dabei. Auch alte Computer, wie Commodore64 und co fallen da mit rein.
Mein Täglich Brot verdiene ich als Beleuchter an einem Theater.
Ich bin ganz ehrlich: Von Uhren habe ich keine große Ahnung. Es ist ein gewisses technisches Grundverständniss vorhanden. Auch bin ich Mechnanisch einigermaßen geschickt. Auch Dinge wie Walkman Laufwerke konnte ich erfolgreich zerlegen und wieder zusammen setzen. Arbeiten mit Lötkolben und co gehören zum Bastleralltag.

Nun zu meiner "Geschichte":
Als Kind sah ich in Vaterns alter Arbeitsstelle immer eine Telefonbau & Normalzeit Mutteruhr hängen. Diese Pendeluhr im Hammerschlag lackierten Gehäuse faszinierte mich damals. Alleine auch wegen des schönen Geräusches, wenn sie sich selbst wieder aufzog.
Vor ein paar Jahren entdeckte ich eine solche Uhr auf einem Flohmarkt. Also musste die erstmal gekauft werden. Leider ohne Schlüssel.
Nachdem dann viele Andere Dinge in den Vordergrund rückten, wanderte die Uhr erstmal in eine dunkle Ecke, bis ich mich jetzt wieder dazu besann, ihr neues Leben einhauchen zu wollen.

Es handelt sich wie Gesagt um eine TN Mutteruhr im Blechkasten. Es ist eine Version mit einer umfassenden Signalsteuerung. Diese hat den großen Zahnkranz für 24 Stunden und dann noch ein kleines Rad mit Wochentagen darauf. Bei dem Pendel handelt es sich um die Version aus Holz.

2018-02-07 19.43.45.jpg


Zu allererst war ich auf der Suche nach einem Schlüssel. Nachdem dieser Besorgt war, konnte ich die Uhr das erste mal öffnen und musste gleich den ersten Schaden fest stellen:
Das im Gehäuse lockere Pendel war nicht nur ausgehangen, sondern ein Zwischenstück aus einer art Blattfeder (ich habe etwas von einer Pendelfeder Gelesen) ist gebrochen. Hier muss auf jeden Fall Ersatz her.
Zudem lag im Gehäuse der Uhr nochmals ein zweites Metallgewicht, wie das für den Aufzug. Gehört das wo hin, oder lag dieses evtl einfach ungenutzt im Gehäuse rum?
Scheinbar wurde hier Zubehör gelagert, da auch noch Metallstifte für die "Programmierung" des Timers darin lagen.

Leider bin ich mir auch nicht sicher, wie alle Anschlüsse in der Uhr zu nutzen sind, und wie ich die Korrekte Spannung von 24 Volt einstelle. (24 Volt als Systemspannung wäre mir wichtig, da ich eine Nebenuhr besitze, welche nur 24V anbietet).
Nebenuhranschluss ist soweit klar. Spannungsversorgung meine ich auch richtig zu erkennen, aber wie das mit den Signalausgängen ist, erschließt sich mir nicht so ganz.

Hier kommen wir auch schon zum nächsten Punkt in der Langen Fragerunde: Hat jemand Unterlagen oder kann mir erklären, welche Funktionen dieses Schaltwerk genau bietet? Ich denke mal, dass das für Gongsignale oder ähnliches benutzt wurde?

Und zuguter letzt wäre eine doch entscheidende Frage: Was sollte man an so einer Uhr alles machen, damit ich lange freude damit habe? Erstmal wird man bestimmt einiges einstellen Müssen, damit sie genau geht (Einstellung am Pendelgewicht ist mir noch von Omas Uhr bekannt und dann war es das auch).
Welche Teile der Mechanik sollte ich reinigen/schmieren usw. Und was für ein Öl wird hier empfohlen? Uhren sollen diesbezüglich ja doch eher empfindlich sein.

Ja. Ein sehr langer Fragenkatalog. Ich hoffe mal, dass ich es mit Euerer Hilfe schaffen kann, diese Uhr wieder in betrieb zu nehmen :).

Grüße Christian
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Re: Wiederinbetriebnahme TN Mutteruhr - Neuling sucht Hilfe

Beitragvon KleineSekunde » Mo 12. Feb 2018, 20:03

Hallo Christian,

zunächst herzlich willkommen hier im DGC-Forum und viel Spaß und Erfolg hier!

Commodore Man hat geschrieben:Das im Gehäuse lockere Pendel war nicht nur ausgehangen, sondern ein Zwischenstück aus einer art Blattfeder (ich habe etwas von einer Pendelfeder Gelesen) ist gebrochen. Hier muss auf jeden Fall Ersatz her.

Eine solche Pendelfeder sollte sich beschaffen lassen. Hast du die Reststücke noch? Damit könntest du die benötigten Abmessungen möglichst genau bestimmen. Eventuell hat ein freundlicher Uhrmacher in deiner Gegend eine gut passende Pendelfeder oder könnte eine passende Feder besorgen. Ansonsten könntest du es auch im Internet versuchen (Stichwort Selva oder bei einem bekannten Auktionshaus).

Commodore Man hat geschrieben:Zudem lag im Gehäuse der Uhr nochmals ein zweites Metallgewicht, wie das für den Aufzug. Gehört das wo hin, oder lag dieses evtl einfach ungenutzt im Gehäuse rum?

Haben die beiden Gewichte die gleichen Abmessungen oder gibt es Unterschiede? Falls dies der Fall sein sollte, wurde vermutlich das kleinere / leichtere Gewicht zum Betrieb der Uhr ohne das Signalwerk und das größere / schwere Gewicht zum Betrieb mit dem Signalwerk benötigt.

Commodore Man hat geschrieben:Leider bin ich mir auch nicht sicher, wie alle Anschlüsse in der Uhr zu nutzen sind, und wie ich die Korrekte Spannung von 24 Volt einstelle. (24 Volt als Systemspannung wäre mir wichtig, da ich eine Nebenuhr besitze, welche nur 24V anbietet).
Nebenuhranschluss ist soweit klar. Spannungsversorgung meine ich auch richtig zu erkennen, aber wie das mit den Signalausgängen ist, erschließt sich mir nicht so ganz.

Die Anpassung an die benötigte Versorgungsspannung sollte sich mit kleinen Metallbrücken, die jeweils passend gesetzt werden, realisieren lassen.

Commodore Man hat geschrieben:Hat jemand Unterlagen oder kann mir erklären, welche Funktionen dieses Schaltwerk genau bietet? Ich denke mal, dass das für Gongsignale oder ähnliches benutzt wurde?

Mit dem Schaltwerk lassen sich zum Beispiel Arbeits- und Pausensignale realisieren. Auch wenn ich eine solche Einrichtung von TN nicht kenne, so gehe ich davon aus, dass entsprechende Stifte, in die passenden Bohrungen eingeschraubt, "abgetastet" werden, um so den Strom für die Signaleinrichtung ein- und auszuschalten (über die waagerechten Kontaktbleche, die je nach den gesetzten Schrauben entsprechend bewegt werden, um Kontakte zu schließen, vermutlich werden unterschiedlich geformte Schrauben benötigt - zunächst für den 24 Stunden Zahlenkranz und dann für die jeweiligen Wochentage, an denen ein Schaltvorgang erfolgen soll oder auch nicht).

Commodore Man hat geschrieben:Was sollte man an so einer Uhr alles machen, damit ich lange freude damit habe? Erstmal wird man bestimmt einiges einstellen Müssen, damit sie genau geht (Einstellung am Pendelgewicht ist mir noch von Omas Uhr bekannt und dann war es das auch).
Welche Teile der Mechanik sollte ich reinigen/schmieren usw. Und was für ein Öl wird hier empfohlen? Uhren sollen diesbezüglich ja doch eher empfindlich sein.

Vermutlich wurde die Uhr seit vielen Jahren nicht mehr betrieben. Altes, verharztes Öl und metallischer Abrieb werden sich in den Lagerstellen befinden, die auf Dauer wie eine Schleifpaste wirken. Grundsätzlich sollte die Uhr also komplett zerlegt, gereinigt, mögliche Schäden an den Zapfen und Lagern begutachtet - und wenn erforderlich beseitigt werden - und neu geölt werden, um dauerhaft Freude damit zu haben. Ein "Nachölen" der Lager von außen, ohne das Werk zu zerlegen und zu reinigen, verschlimmert die Situation meistens. Das klingt nach einem gewissen Aufwand und so ist es auch wohl. Aber doch insgesamt machbar für einen versierten Laien. Entsprechende Unterlagen habe ich momentan nicht greifbar aber diese sind aus verschiedenen Quellen verfügbar - irgendwo habe ich sie auch...

Um weitere Hinweise geben zu können, wären mehrere Fotos sicherlich hilfreich (von den Gewichten, von der defekten Pendelfeder, vom Werk, Detailaufnahmen von den Lagerstellen, von den elektrischen Anschlüssen,...).

Viel Erfolg!

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde
KleineSekunde
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