Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Jahresuhren, Atmos und mehr

Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Wolf_50 » Fr 9. Dez 2016, 00:53

Hallo,

Ich möchte mich als neues Mitglied vorstellen.
Mein Name ist Wolfgang, wohnhaft nördlich von Ffm.
Bisher war ich im Modellbau (Rennboote, Wettbewerbe) aktiv.
Unser 3-er Team bestand aus Fahrer, Teamleiter-in und Sponsor.
(=Finanzier, Konstrukteur, Starthelfer/Box)
Da der Fahrer altersbedingt (leider) wegen neuen Aufgaben ausfiel,
suchte ich ein neues, dem Alter angepasstes Hobby.

Dabei kam ich auf Jahresuhren.
Das erscheint nicht so stressig und der Platzaufwand ist begrenzt.
In dem Uhrenforum habe ich zahlreiche Beiträge gelesen, mein herzlicher Dank gilt Stromer.
Gleichzeitig mit meiner Bewunderung seiner Sorgfalt habe ich diverse Grundkenntnisse erlangt.

Inzwischen habe ich wenige, einfache Uhren zum Üben gekauft.
Begreifen kommt von Anfassen!

In der Praxis stellen sich dem Einsteiger banale Fragen:

Bei der Herm ist das Zifferblatt mit Stiften befestigt.
Wie zieht man die heraus? Eine Mini-Kombizange greift nicht.

In der Herm ist das Werk FHS 911-000 aus 1971 verbaut.
Leider fehlt das hintere Lager (Stein?) des Ankerrades.
Die Schieblehre misst die Bohrung zu 4,33mm , mit Phasen.
Wo kann man Lager beschaffen?
Kommunikation auf Englisch (zum Einkauf) ist für mich kein Problem.

LG
Wolfgang
Wolf_50
 
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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon KleineSekunde » Fr 9. Dez 2016, 20:27

Hallo Wolfgang,

herzlich willkommen hier im DGC-Forum und viel Spaß und Erfolg hier!

Wolf_50 hat geschrieben:Wie zieht man die heraus? Eine Mini-Kombizange greift nicht.
Eventuell ließen sich die Stifte von der dünneren Seite aus auch heraus drücken. Je nach Einbausituation eventuell auch mit einer kleinen Zange, die etwas schräg gehalten wird und deren eine "Backe" sich auf dem dünneren Ende abstützt, die andere dann neben dem dickeren Ende des Stiftes am Pfeiler. Oder aber mit der flachen Seite eines Schraubendrehers. Jeweils mit der nötigen Vorsicht, um ein Abrutschen / Beschädigungen zu vermeiden und auf die mögliche "Flugbahn" des Vorsteckstiftes achten...

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde
KleineSekunde
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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Der_Stromer » Sa 10. Dez 2016, 18:48

Hallo Wolfgang.

Ein herzliches Willkommen hier im Forum. Hier wirst Du sicher viel lernen, dass Deinem neuen Hobby sehr auf die Zahnräder helfen wird :mrgreen: .
Fangen wir gleich mal an! HERM gibt es als Uhrenhersteller nicht und gab es auch nicht (bitte in diesem Forum keine Abkürzungen, wie sie sonst im Netz Gang und Gäbe sind, verwenden). Die Firma heißt "Franz Hermle und Sohn", abgekürzt FHS. Die Firma existiert heute noch und stellt auch mechanische Großuhren her. Auch hilft der Kundendienst gerne bei Fragen, auch zu älteren Modellen, weiter.

Als Erstes, wenn Du Dich wirklich intensiv mit dem Hobby Uhren beschäftigen möchtest, ist das richtige Werkzeug. Und hier gilt, wie fast Überall: Wer billig kauft, kauft mindestens 2 Mal.

Zum Beispiel die Vorsteckstifte (das ist der Fachbegriff für diese Dinger, die man(n) - Du mit der Kombizange aus Gas-Wasser-Schei... nicht greifen kannst :mrgreen:. Da gibt es Uhrmacher-Durchschläge in allen Durchmessern, mit denen man diese konischen Stifte herausschlagen kann, im Fall des Ziffernblattes ist die dünne Seite immer Innen, also Vorsicht ist geboten. Ich benutze für diese Sache eine gebogene Spitzzange. Eine Backe an die spitze Seite und die Andere an den Pfeiler und mit sanfter Gewalt gibt der Stift nach :)

Auch Literatur ist sehr wichtig. Bei Jahresuhren ein MUSS ist der "Terwilliger" der neuesten Ausgabe (Andere Druckwerke kannst Du getrost vergessen, sie sind Fehler behaftet und verwirren den unbedarften Leser mehr, als sie nutzen). Natürlich ist auch der Terwilliger nicht ohne Fehler, aber die sind überschaubar und mit der Zeit kommt man auch von selbst darauf :mrgreen:

Zum Ankerlager: nein, da war nie ein Stein verbaut. Bei der "Geschwindigkeit", mit der hier die Hemmung (Grahamhemmung) arbeitet, ist der Verschleiß unbedeutend. Da wird mal jemand versucht haben (manche Uhrmacher schwören drauf: wenn nichts mehr geht - also der Reparateur mit seinem Latein am Ende ist -, werden die Lager ersetzt). Einschlaglager gibt es z.B. bei SELVA (ja keine Pendelfedern da Kaufen. Davon haben die wirklich keine Ahnung). Sind nicht billig, aber dafür von BERGEON. Und bitte kein "Sortiment" kaufen. Wichtig sind drei Maße bei diesen Lagern: Der Zapfendurchmesser, der Außendurchmesser und die Platinendicke. Also da bekommst Du die entsprechenden Lager in guter Qualität. Was brauchst Du jetzt zum Ersetzen des Lagers? 1.) ein Satz 5-Kant Handreibahlen, eine Triebnietmaschine und entsprechend kleiner Hammer.
Wie macht man das? Erstens feststellen, ob das zu ersetzende Lager auch die Position hat / bekommt, die es haben muss. Das ist meistens problemlos, wenn da nicht schon Jemand seinen Frust dran ausgelassen hat und das Loch schon verschoben hat. Dann den Außendurchmesser des Lagers mit einer guten Schieblehre ausmessen. Mit der passenden Reibahle das Loch bis auf 1/100 mm Untermaß aufreiben, Mit Rollensenkern eine kleine Fase erstellen und zwar auf der Innenseite der Platine. Dann mit Hilfe der Triebnietmaschine das neue Lager vorsichtig in die Platine Einschlagen. Es kann sein, dass das Loch noch besser angepasst werden muss, denn wenn es zu stramm geht, ist es schnell Messingschrott :( . Wenn das Lager sitzt, mit Hammerschlägen Nachtnieten (Papier dazwischen legen! Verhindert Hammerspuren auf der Platine!), damit es auch wirklich fest sitzt (das neue Lager muss bündig zur Platine passen!). Nun die Bohrung für den Zapfen anpassen. Auch mit der Reibahle, bis der Zapfen vom Anker ohne Klemmen und absolut gerade (ein klein wenig Spiel muss sein) in der Bohrung sitzt. Jetzt wird auf der Außenseite der Platine die Ölsenkung für das Lager angebracht. Diese muss so tief sein, dass der Zapfen etwas aus dem Lager heraus schaut. Er (der Zapfen) Darf nicht komplett im Lager laufen, sonst "gräbt er sich ein" und irgendwann klemmt das dann.

Bevor Du jetzt wieder an den Zusammenbau des Werkes gehst, Alle Lager noch mit Putzhölzern Reinigen. Das neue Lager sollte auch mit einer Glättahle nach bearbeitet werden, glättet die Oberfläche im Lager und vermeidet Klemmungen und Schwerlauf durch Reibung.

So, wie ich das sehe, ist Dein Wunschzettel für Weihnachten erstmal gerettet. Wenn die Regierung mitspielt, eigentlich kein Problem. Werkzeug findet man im Netz, Lager z.B. bei SELVA oder auch beim Uhrmacher um die Ecke (den auch mal Fragen, ob er einem helfen kann und Ratschläge gibt. machen die Meisten!). Spezielle Teile, z.B. Pendelfedern, bekommt man zuverlässig eigentlich nur aus USA oder Portugal. Der Rest der Anbieter sind.... :evil:

Alles klar? Also, vor Weihnachten 2016 wird das sicher nichts mehr mit der HERMLE, aber Ostern 2017 sollte sie dann auch wieder die Zeit richtig Zählen.

Wenn (und das sind sie ganz sicher) noch Fragen offen sind, Frage hier. Die Kollegen hier helfen gern und kompetent, sind doch sehr viele Uhrmacher (ich bin nur ein Hobbyschrauber und Autodidakt) hier.

Frohes Fest und viel Spaß mit Deinem neuen Hobby :) !
....und bitte dran denken: Um treffende Aussagen machen zu können, brauch wir Bilder. Gute Auflösung und Größe (1024x768) lassen sich hier auch gut und einfach hochladen. Immer auf den Forums-Server, bitte keine externen Anbieter verwenden. Bilder sind übrigen wichtig bei der Montage. Nicht gerade bei den 5 Rädern einer Jahresuhr, aber wenn es mehr wird, hilft es ungemein 8-) .

So, und jetzt das wichtigste :shock: : Vor Arbeiten an der Uhr IMMER die Gangfeder Entspannen. Du musst immer daran denken, dieses Stahlband speichert die Kraft, welche das Werk für eine Laufzeit von 1 Jahr braucht! Geht diese Feder durch, ist nicht nur die Uhr Schrott, sonder es kann auch Dein Augenlicht und auf jeden Fall Deine Finger und andere Extremitäten in großer Gefahr bringen! :roll:

@ Guido: "Der Uhrmacher auf dem Fußboden......" Man merkt, Du sprichst aus Erfahrung!
Zuletzt geändert von Der_Stromer am Sa 10. Dez 2016, 19:01, insgesamt 2-mal geändert.
Hallo aus der Oberpfalz
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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Wolf_50 » Sa 10. Dez 2016, 18:49

Hallo,

Danke für den raschen Tip zu den Stiften.
Mit den Stiften wird das Ziffernblatt im respektive am Uhrwerk befestigt.
Die Stifte sind somit erst nach dem Zerlegen des Uhrwerkes zugänglich.
Schade ich hatte gehofft es gebe ein Werkzeug bzw Möglichkeit um das ZB vorab zu entfernen.

LG
Wolfgang
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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Der_Stromer » Sa 10. Dez 2016, 19:03

NAIIIIN!!!!

Lesen bildet! Erst das Ziffernblatt abnehmen, dann der Rest. Sonst verbiegst Du die Minutenwelle und dann geht nichts mehr.
Hallo aus der Oberpfalz
Rolf-Dieter, der Stromer

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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Wolf_50 » Sa 10. Dez 2016, 21:55

Ja das wollte ich auch.
Leider bin ich so nicht an Vorsteckstifte nicht heran gekommen.
Ok.
Nächstes Mal werde ich besser (nachdenken)!

LG
Wolfgang
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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Wolf_50 » Sa 10. Dez 2016, 21:59

Hallo Rolf-Dieter, Der-Stromer
Vielen Dank für die ausführlichen präzisen Beschreibungen.
Der Reihe nach:
Den Namen habe ich nicht absichtlich verballhornt. Das habe ich auf dem ZB gelesen.


Dank deinem Hinweis sehe ich jetzt auf der Skala:
Die Schrift ist nicht mittig, der Unterstrich fehlt hinten!
Somit fehlt ein Teil des Namens.
Die Vorsteckstifte sind heraus.

Ja der Terwilliger Ausgabe 10 ist wohl ein „MUSS“

Die Lösung des „Lagerproblems“ hat mich erst einmal geschockt.
Ich hatte mir das einfacher vorgestellt. Auch hier DANKE für die präzise Info, wie man das richtig macht.
Darüber muss ich erst noch einmal schlafen und Teile suchen.
Anbei ein Foto von der betroffenen Platine. (Mit meinen ersten Schleifeinsätzen.
Die Farbe ist jetzt nicht mehr einheitlich, da ich die Pendelhöhe nicht angreifen wollte!
Ich vermute Einstellmöglichkeiten in der Bohrung.)
Das Loch des Ankerrades ist das mittlere in der 3er Reihe oben. Es gibt beidseitig eine Phase.

Änderung: Bilder ergänzt.
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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Der_Stromer » Sa 10. Dez 2016, 22:41

Schönen guten Abend, Wolfgang :mrgreen:

Aaaalllso: Da fehlt eine Brücke. Und die hat, neben den Befestigungsbohrungen rechts und links das Lager für den Anker. Durch diese verstellbare Brücke kann die Eingriffstiefe Anker / Ankerrad eingestellt werden. Suche das Teil mal oder hau dem Verkäufer auf die Finger. Zur Not kann man dieses Teil aber auch selbst anfertigen: Ein Stück Messingblech in der Stärke der Platinen aussägen und dann wie beschrieben, ein Lager einschlagen. Die Frage stellt sich mir aber: Ist denn der Anker noch in Ordnung? Alle Zapfen dran?

Zu deiner "Schleifarbeit": Nimms nicht Übel, aber das ist Pfusch hoch drei. Von hause aus ist das Messing glatt und poliert. Und nur mit Polieren (Polierpaste und weicher Wolllappen und anschließend entweder mit Zaponlack oder mit Wachs versiegeln) bekommt man eine vernünftige, saubere Oberfläche hin.

Was meinst Du denn mit "Pendelhöhe verändern"? Da spielen 1 - 2 mm keine Rolle. Und so viel geben die Schrauben von der Pendelfedermontierung (der Bügel) nicht her. Schlimmer ist, dass Du offensichtlich den oberen Block, da wo die Pendelfeder an dem Bügel befestigt (Schraube und Federscheibe) ist, abmontiert hast. Nun steht Dir die Justage des Abfalls ins Haus :mrgreen: Viel Vergnügen!

Ähm: Sage mal, täusche ich mich, oder sind da alle Lager so groß, wie es auf dem Foto aus sieht?
Hallo aus der Oberpfalz
Rolf-Dieter, der Stromer

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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Wolf_50 » So 11. Dez 2016, 01:21

Hallo Rolf-Dieter, Der-Stromer

Danke für die Infos, Auch wenn sie schmerzlich sind.
Dass die Brücke fehlt, war auf den Bildern des Verkaufs zu sehen!
Mein Anfänger-Fehler zu kaufen.
Die Zapfen scheinen heile zu sein. Der Anker (Paletten) könnte ok sein.
Somit habe ich „Ersatzteile“ für weiteres.

Polieren,
Ja Renaisance-Wachs ist im Anmarsch aus England.
Hätte gestern schon am Mittwoch eintreffen können.
Aber Königliche Post ist teurer und langsamer als DHL.
Löst Zappon Lack sich bei 60° ab? Ich hatte das US-Bad mit vorgeheiztem Wasser gefüllt.

Mmmhh
Mit der Pendelhöhe habe ich etwas verwechselt. Ich habe jetzt bei einer anderen Uhr den Unterschied gesehen.
Dort ist die Höhe der Ankerachse gemeinsam mit der Pendel Befestigung verstellbar.

Lager:
Es gibt Zapfen mit 0,6, 08 und 1,6mm. Alle Lagerstellen sind angesenkt. (Öltrichter?)

Erster Zwischenstand: Das erwartete Übungsobjekt.

LG
Wolfgang
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Re: Vorstellung neues Mitglied mit Fragen

Beitragvon Wolf_50 » So 11. Dez 2016, 11:18

Hallo Rolf-Dieter,

Überschlafen regt die Kreativität an.
Ja die Ankerwelle ist länger als der Platinenabstand.

Eine laienhafte Alternative wäre, ironisch formuliert:
Aus einer Resteplatine ein „passendes Loch“ ausschneiden.
Mit Bohrungen zur Montage versehen. Die Lage dieser 3mm Bohrungen
ist relativ unkritisch und ermöglicht die Justierung

Jetzt habe ich ein solches Ersatzteil!

Eine allgemeine Frage sind die Zapfen und Bohrungen genormt bzw. üblich?
Kann man die eigenen Meßwerte gedanklich runden?
Meine Schieblehre zeigt Werte mit einer Graduierung 0,01mm an.
Zur Vermeidung von Garantieansprüchen ist keine Klasse genannt!

LG
Wolfgang
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