Schatz Jahresuhr wieder zum Leben erweckt

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Schatz Jahresuhr wieder zum Leben erweckt

Beitragvon clavicembalist » So 24. Sep 2017, 10:48

Nach über 4 Wochen Wartezeit kam die gute nun endlich zu mir. Das Ganze war sehr abenteuerlich, da das Paket verschollen zu sein schien. In unserem Zielzentrum wurde es nach 2 Wochen Bearbeitung an eine mir völlig unbekannte Adresse zugesandt. Lange habe ich recherchiert, von Anrufen über Emails und Facebook ist es mir dann irgendwann gelungen. Durch Facebook ist es geglückt, dank zwei lieben Menschen, das Paket ausfindig zu machen. Diese haben es an die richtige Adresse erneut zugesandt. Der Fehler war, in dem Zielzentrum wurde genau auf das originale Versandetikett ein anderes geklebt, warum auch immer.
Das kurz zu dieser Geschichte

Zur Uhr:
Gesehen, verliebt und sofort gekauft.
Eine Schatz Diamond, ich fand das Zifferblatt einfach Mal anders im Gegensatz zu meinen bisherigen Jahresuhren. Diamonds are the Boys best Friends

Ich habe während der Revision leider vergessen Fotos zu machen, daher kommt nur ein Bericht.

Der Zustand war als noch gut erhalten zu betiteln. Die Pendelfeder war gerissen, machte aber nichts, sie war aus Bronze, also falsch.
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Auf der rückseitigen Platine befindet sich eine Reparatursignatur. Nach der Zerlegung und Reinigung konnte ich auch erkennen was gemacht wurde. Hier wurden zwei neue Lager eingesetzt, recht sauber gemacht. Alle Lager und Zapfen sahen sehr gut aus, keine Riefen oder rauen Stellen.

Die Hemmung:
Sehr suspekt fand ich die Einstellung der Grahamhemmung. Sie war so seicht eingestellt, wie man es bei einer gewöhnlichen Pendeluhr machen würde, ergo die Hemmung rasselt durch. Und das war noch nicht alles. Die Paletten waren unterschiedlich Ver-/geschliffen und standen unterschiedlich aus dem Anker heraus. Deshalb musste auch die Aufhängung dementsprechend weit nach links verdreht werden um ein gleichmäßigen Abfall zu erreichen.
So kann sie nie gescheit laufen.
Bei Begutachtung der Ankerpaletten staunte ich nicht schlecht...
....hier wurden die Paletten richtig versaut. Das letzte Drittel der Hebeflächen war mit einer groben Feile völlig stumpf und rau. Sowas habe ich noch nicht gesehen. Ob die Uhr so gelaufen ist, ist fraglich.

Ich habe dann die Paletten neu geschliffen im richtigen Winkel und poliert. Kurze Kontrolle zeigte, dass es so nun passte.

Mitnehmer wurde von mir neu angeschliffen, da dieser recht krumm und schief gefeilt wurde, die Innenflächen waren auch rau und zu breit- zu viel Reibung. Nun sind sie schön glatt und gleichmäßig und verklemmen nicht am Ankerstift.
Letzteren habe ich auf Spiegelglanz gebracht.

Erfreulich war, dass die Zugfeder mal erneuert wurde und noch nicht wirklich viel gefordert wurde. So habe ich es gerne

Während ich mich um das Werk gekümmert habe durften alle anderen Messingteile im Ultraschallbad schon mal ein Bad nehmen. Da der ursprüngliche Schutzlack bereits vorher beschädigt war, habe ich ihn ganz entfernt und die Teile anschließend mit dem bewährten Renaissance Wax versiegelt. Der Sockel war noch recht gut erhalten, diesen habe ich lediglich nur gereinigt sowie mit dem Wax behandelt.

Nachdem nun all Teile fertig wieder zusammengesetzt wurden kam das Werk auch wieder auf den Stuhl.

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Das Anpassen der Pendelfeder erfolgte, kurzer Test, die Uhr lief.
Kleinere Regulationsarbeiten erfolgten noch an der Hemmung(Feineinstellung) und der Pendelfeder.
So darf sie nun zu den anderen in meine Sammlung und wird mir noch sehr viel Jahre Freude bereiten.
IMG_20170921_204414-744x992.jpg
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Re: Schatz Jahresuhr wieder zum Leben erweckt

Beitragvon derTeichfloh » So 24. Sep 2017, 11:00

Hi,

Schöne Uhr - Danke für´s Zeigen.
die Rückseite glänzt wie ne Speckschwarte - sind die immer so poliert?

mfg
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Re: Schatz Jahresuhr wieder zum Leben erweckt

Beitragvon clavicembalist » So 24. Sep 2017, 11:32

Danke :) @derTeichfloh

Alle die ich besitze sind so gearbeitet. Riefen oder andere Spuren kommen nur durch polieren oder abschleifen.
Sie meisten sind zusätzlich mit einem Zaponlack versehen, welcher in Goldtönen eingefärbt ist. Daher schimmern sie etwas dunkler nach sattem Gold. Dieser Lack ist aber empfindlich und löst sich mal gerne durch Umwelteinflüssen oder eben auch in der Reinigung oder gemachten Reparaturen. Das sieht dann nicht mehr schön aus, so dass ich ihn dann ganz entferne ohne zu polieren oder dergleichen. Da das Werk geschützt ist, läuft es auch nicht so schnell an wie beispielsweise ein unbehandelter Sockel.
Da ich ohnehin meine Uhren alle 3 Jahre reinige und vorhandenen Verschleiß behebe bleibt es immer so schön hell und glänzend, macht besonders bei Jahresuhren auch Sinn, da das Werk mehr oder weniger zur Schau gestellt wird.
Lg
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Re: Schatz Jahresuhr wieder zum Leben erweckt

Beitragvon derTeichfloh » Mo 25. Sep 2017, 17:40

Aha - wieder was gelernt.
Mit "altem" Zaponlack steh ich auf Kriegsfuß ....


Gruß,
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Re: Schatz Jahresuhr wieder zum Leben erweckt

Beitragvon petsch » Mo 25. Sep 2017, 22:10

Hallo Clavicembalist,
vielen Dank für die Vorstellung der Uhr und Deiner Arbeit daran.
Die Uhr ist ja nun ein wahres Schmuckstück.

Gruß
Peter
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Re: Schatz Jahresuhr wieder zum Leben erweckt

Beitragvon clavicembalist » Mo 25. Sep 2017, 23:57

@derTeichfloh:
Ja, der kann manchmal hartnäckig sein. Aber im US-Bad geht der recht gut ab ;)

@petsch
Danke, freut mich das es Dir gefällt. :)
Werden noch einige im Laufe der Zeit dazu kommen, da bin ich mir ganz sicher :mrgreen:

Lg
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