Schatz Lectronic Automatic Repetition

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Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon Der_Stromer » Fr 21. Jun 2013, 14:22

SCHATZ Lectronic AUTOMATIC Repetition Wecker.

Vor einiger Zeit habe ich diesen Wecker von Schatz aus der Bucht gefischt, für wirklich wenig €uronen.
2458-Fertig.JPG


Da er nur 2 x am Tag die richtige Zeit anzeigte, habe ich ihm eine Batterie spendiert und ohne großes Zureden lief auch gleich der erste von insgesamt 5 Zeigern los. Der Sekundenzeiger!.

Nun, also noch ein wenig den Staub der Jahrzehnte von Gehäuse entfernt und ins Regal gestellt.

Der Wecker lief ganz ordentlich und sehr genau und ich hab nichts dran gemacht. Musste ja nicht geweckt werden.

Vor 4 Tagen dann brauchte ich mal einen Wecker und da fiel mir mein SCHATZ wieder ein. Also aus dem Regal geholt – Zeit stimmte noch – und genauer unter die Brille genommen.
100_2459.JPG


So. Der Wecker ist eigentlich seiner Zeit weit voraus gewesen: 2 Ziffernblätter, 5 Zeiger, Weckrepetition 5 x in einer ¼ Stunde, Ziffernblattbeleuchtung und Meldung des Batteriezustandes nach drücken eines Knopfes.

Bei meinem nun ging nur noch die Uhrzeit, aber die, wie ja schon geschrieben, sehr genau.

Daher kamen jetzt die Schraubendreher zum Einsatz und die Uhr wurde zerlegt. Das Kunststoffgehäuse (schönes Apfelgrün – soll ja die Nerven beruhigen, gelle), das Plexiglas der Front ließen sich mühelos mit warmen Wasser und Spülmittel reinigen. Nach dieser Prozedur wurde gewachst. Jetzt sieht er aus wie neu. Und das Ziffernblatt aus Papier brauchte keine Auffrischung, war noch top.
2459-Die-Eingeweide.JPG


Jetzt etwas zur Funktion: Für die Uhrzeit wie gesagt, 12 Stunden Ziffernblatt, Stunden-, Minuten- und Zentralsekundenzeiger.
Für die Weckzeiteinstellung im Innenkreis ein 24-Stunden Ziffernblatt auf dem die Weckzeit genau über 24 Stunden eingestellt werden kann.

Dazu noch ein roter Zeiger, der sich 1 x in 24 Stunden dreht. So kann man den Wecker auf die wirklich richtige Zeit (z.B. 3 Uhr nachmittags = 15:00) einstellen.

Wenn jetzt die Weckzeit erreicht ist, Klingelt (tatsächlich: eine elektrische Klingel ist das) es einmal kurz. Nach 2 Minuten wieder, aber etwas länger und so weiter bis nach 10 Minuten der Spuck vorbei ist und man ruhig verschlafen kann. Das Klingeln ist recht angenehm und eigentlich wohltönend, im Gegensatz zu anderen Weckern, die vor lauter Rappeln schon mal von Nachtschrank hüpfen. Natürlich kann man den Störenfried auch abstellen: Ein Druck auf die Taste auf der Oberseite bringt ihn zum Schweigen und zeigt auch gleichzeitig das beleuchtete Ziffernblatt. Hierfür ist ein 1,5 Volt Birnchen verantwortlich. Aktivieren muss man den Störenfried, wenn man die Weckeinrichtung nicht deaktiviert hat, nicht. Es Klingelt (wie der Postman, aber nicht twice) alle 24 Stunden.

Was ich gemacht habe? Na, alle Kontakte gereinigt und die Zunge am Klöppel der Klingel gerichtet. Am Werk war nichts zu machen. Alle Lager bestens in Ordnung, kein olles Öl. Lediglich ein wenig nachgeölt. Anscheinend wurde der Wecker fast nie benutzt und schlummerte selbst über Jahrzehnte in seiner Verpackung (die ich leider nicht erwerben konnte) vor sich hin.

Damit auch Jeder diesen SCHATZ richtig bedienen kann, ist auf die Unterseite die Kurz-Bedienungsanleitung geklebt. Super Idee der Schatzmenschen.
2474-Bedienungsanleitung.JPG

2473-Rueckseite.JPG


Und so steht er jetzt auf dem Schreibtisch und zeigt mir an, wann es eigentlich Zeit fürs Zubettgehen wäre.
2472-Vorderseite.JPG
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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon droba » Fr 21. Jun 2013, 17:31

Hallo Rolf-Dieter,

prima Bericht!

Mich würde interessieren, welche Technik das Werk hat, nach meinem Eindruck gehört es zu den Drehschwingern. Aber dafür haben wir hier noch weitere Experten im Forum.

Frage: glaubst Du Schatz hat dieses Werk wirklich noch selbst entwickelt und gefertigt, oder wurde es um die 1980er Jahre und damit kurz vor dem Ende von Schatz zugekauft?

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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon Der_Stromer » Sa 22. Jun 2013, 13:27

:) Guten Tag, droba.
Ja, es ist ein Antrieb nach dem Drehschwingersystem. Diese Dinger gab es in den 60er und 70er so oft, dass man sie nicht mehr auseinander halten konnte. Hettich war wohl Federführend bei der Entwicklung dieser Antriebe.
Nach meinen Unterlagen (Schatz Firmenchronik 1881 - 1981) hat auch die Firma Schatz solche Werke gebaut (wahrscheinlich mit Lizenzen von Hettich). 1970 wird von Schatz das EL101 vorgestellt (dieses ist auch in der Lectronic verbaut) und in vielen Gehäusen angeboten. Nachfolger dieses Werkes war dann noch das EL130 in 1974. Fast baugleich, nur etwas gedrungener.
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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon Wynen » So 23. Jun 2013, 14:40

Diese spezielle Uhr (24 Stunden Wecksystem) ist von Schatz entwickelt worden (vgl. Deutsches Patent 2.138.506A vom 2.8.1971)

Schatz selbst hat viel Entwicklung in Bereich elektrischer Uhren betrieben, beginnend mit Synchronuhren und weiter über die Lectronic Stiluhren mit Pendelantrieb bis zu einem Stimmgabelschwinger. Viel originelles ist dabei zwar nicht rausgekommen, da es sich ja hauptsächlich um eine "Jahresuhrenfabrik" handelte. Einzig die Lectronic mit direkt angetriebem Pendel mit Transistorsteuerung ist bemerkenswert. Aber da war der "Chefentwickler" Robert Reich (wie die Patentlage vermuten läßt) und der war nicht bei Schatz angestellt.

Die direkt-angetriebenen Unruhschwinger sind wenn dann überhaupt in ATO Lizenz hergestellt worden. Ich bin aber nicht ganz sicher, ob 1970 Junghans noch die alleinigen Rechte von Hatot für Großuhren hatte. Hettich hat sich bei dieser Art von Werken nicht hervortan.

Gruß
Hartmut
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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon Der_Stromer » Mo 24. Jun 2013, 15:51

:( Stimmt. Hartmut hat (wieder) Recht :D .

Ich hätte schreiben sollen (wie ich es auch vorhatte - Alzi läßt grüßen :shock: ) Haller und Benzing. Die hatten hier in Deutschland die Lizenzen der ATO-Antriebe nach Hatot.

Junghans kam erst 1928 dazu, als Teilhaber bei Haller & Benzing - wohl zu 28% neben Kienzle und Mauthe.
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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon droba » Mo 24. Jun 2013, 17:16

Wie das mit den ATO-Lizenzen war, ist mir nicht genau bekannt. Es ist aber bekannt, dass die erste deutsche Lizenz im Jahr 1924 von Haller & Benzing erworben wurde, die nach deren Konkurs regulär auf die HAU umgeschrieben wurde. Junghans hat stattdessen auf das Patent der "Elektronom" gesetzt aber damit eine Bauchlandung erlebt.

Die Elektronom-Uhren wurden deshalb eingestellt und Junghans stellte sich auf den Standpunkt, durch Übernahme der HAU auch die ATO-Lizenz nützen zu können, wurde aber von Leon Hatot verklagt. Junghans hat sich dann aber mit Hatot geeinigt: ob außergerichtlich oder erst nach einem Urteil, weiß ich nicht. Und dasselbe Spiel wiederholte sich nach dem Krieg nochmals mit Kundo. Auch Kundo hat nach meiner Kenntnis noch gezahlt, aber nicht als vollwertige Lizenz, sondern als Ausgleich wegen Verletzung des Patents.

Wann genau das Patent von Hatot ausgelaufen ist, weiß ich nicht, ich schätze aber auf jeden Fall schon in den 1950er Jahren.

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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon Der_Stromer » Mo 24. Jun 2013, 17:32

:D Danke!

Mann (ich) lernt nie aus. Und dieses Forum hilft dabei. :)
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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon droba » Di 25. Jun 2013, 20:37

Wynen hat geschrieben:Die direkt-angetriebenen Unruhschwinger sind wenn dann überhaupt in ATO Lizenz hergestellt worden. Ich bin aber nicht ganz sicher, ob 1970 Junghans noch die alleinigen Rechte von Hatot für Großuhren hatte.

Gruß Hartmut


Hallo Hartmut,

ich kann mir nicht vorstellen, dass das Patent von Léon Hatot noch etwas mit den Drehschwingern zu tun hat. Der Patentschutz muss doch schon spätestens in den 1950er Jahren ausgelaufen sein und wenn ich das richtig sehe, hat Junghans nur noch Wortmarken mit "ATO" schützen lassen, aber keine Patente. Zum Beispiel ATO-Lux, ATO-Combi, ATO-Mat, ATO-Vox usw.

Aber ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, ich bin auch wahrlich kein "Stromer" oder "Elektroner".

droba
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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon Wynen » Di 25. Jun 2013, 21:39

Hallo droba,

falls Du zufällig ein Junghans ATO-Mat Werk W726 zur Hand hast, so schaue mal auf die Platine des Räderwerks. Dort stehen Patentnummern, u.a. die des ATO-Patents für Drehschwinger mit Transistor: FR 1.090.564 vom 17.9.1953. Inhaber war die französische Hatot S.A., Erfinder Marius Lavet und Jacques Dietsch (im deutschen Patent DE 1.043.962 erwähnt).

Auf diesem Patent beruhen nahezu alle transistorisierten, direkt-angetriebenen Unruhschwinger Werke.

Zitat aus "Die ATO-Uhren im Stadtmuseum Schramberg":
"Bei ATO-Pendelwerken mit einem Durchmesser von größer 60mm besaß Junghans das ausschießliche Lizenzrecht für die Länder Deutschland, Österreich und Finnland. Dieser Passus wurde auch bei den Drehschwingerwerken beibehalten." Zu patentrechlichen Schwierigkeiten kam es bei einem Peter Wecker mit französischem JAZ Werk (Lizenz ATO), welches kleiner als 60mm war. "Junghans führte ins Feld, dass bei einem Batteriewecker auch die Signaleinrichtung und die Batterie berücksichtigt werden müsste. ... Nach Vorstellung von Junghans sollte somit durch ATO-Paris der Firma JAZ das Eindringen auf den deutschen Markt untersagt werden."

Gruß
Hartmut
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Re: Schatz Lectronic Automatic Repetition

Beitragvon Wynen » Mi 26. Jun 2013, 00:10

Sorry, ich war zu faul, um selber zu schauen: Auf der Räderwerksplatine des Junghans W726 steht das US Patent 3.168.690, welches aber identisch ist mit dem genannten französischen Patent.
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