Wehrle "Wüstenwecker"

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Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon Meistertaucher » Do 25. Jan 2018, 14:44

Hallo liebes Uhrenforum. Mein Name ist Micha und ich lebe und arbeite in Leipzig. Eine meiner großen Leidenschaften sind Uhren, genauer gesagt mechanische / automatische Uhren. Wo wir gleich beim Thema wären. Ich habe einen Wecker der Firma Wehrle von meiner Großmutter lange Zeit neben meiner Uhrensammlung stehen gehabt. Der Wecker funktioniert einwandfrei, trotzdem diente er mir nur als Deko. Zu Beginn habe ich ihn im Schlafzimmer stehe gehabt aber bei der Lautstärke des Gehwerkes habe ich ihn gleich wieder in die Vitrine verbannt. :D Nun da ich mich von einigen Armbanduhren trenne bzw. meine Sammlung etwas umkrempele, möchte ich dies zum Anlass nehmen meinen Wehrle Wecker etwas näher kennen zu lernen. Leider habe ich versäumt meine Großmutter zu ihren Lebzeiten zu dem Wecker zu befragen. Jetzt kommt Ihr ins Spiel. ;) Nach Internetrecherce konnte ich mir einiges anlesen, z.B. Rost und Staub Protected (daher wohl auch die Bezeichnung Wüstenwecker), Gehwerk, Daybreak, Weckwerk (Repetition) welches äußerst laut ist. Gehäuse Durchmesser beträgt ca. 13cm, Zifferblatt ca. 11,5cm.

Meine Bitte bzw. Frage an Euch: Warum sind auf dem Ziffernblatt arabische Ziffern, ist der Wecker im oder für das Ausland produziert worden? Aus welchem Jahr stammt der Wecker bzw. kann man die Jahreszahl in etwa abschätzen? Ich gehe davon aus, dass dieser Wecker aus einer Großserie stammt. Liege ich da richtig oder ist das gute Stück eher selten anzutreffen? Habt Ihr sonst noch interessante Informationen zu dem Wehrle?

Ich hoffe Ihr könnt mir weiter helfen und freue mich riesig mehr über den Wecker zu erfahren.

Viele Grüße Micha
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Re: Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon Chroniker » Fr 26. Jan 2018, 01:51

Hallo und willkommen im Forum!

Ja, das ist ein Wehrle "Three in one". Er ist unter Weckersammlern sehr begehrt, da er als einer der ganz wenigen Wecker neben der Zeit und dem Weckerwerk auch die Stunden ausläuten kann, wie eine Tisch- oder Wanduhr. Unter dem Stichwort "Three in One" wirst Du in unserem Forum mehrere Beiträge zu Deinem Wecker finden.

Einige Informationen:

Die "Three in one"-Wecker wurden vor allem in die Länder des Vorderen Orients geliefert, deshalb die besonders Staub-geschützte Bauweise. Und deshalb auch die arabischen Stundenmarkierungen auf dem Zifferblatt.

Der "Three in One" wurde bis in die 1990er Jahre hergestellt; die Firma Wehrle ging 1994 Konkurs.



Viel Spaß mit Deinem "Three in One" von Wehrle!

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Re: Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon Meistertaucher » Sa 27. Jan 2018, 11:56

Na super! Vielen Dank für deine kleine Zusammenfassung, das hilft mir schon gut weiter. Eine weitere Sache beschäftigt mich jedoch eher allgemein zum Thema ältere Wecker. Es geht um die Leuchtmasse, welche je bekanntlich bei mechanischen Armbanduhren bis in die 1990er Jahre mit Hilfe von Tritium oder schlimmer mit Radium ausgeführt wurde. Ist das bei Großuhren wie z.B. meinem Wehrle Wecker ebenso?
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Re: Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon Chroniker » Sa 27. Jan 2018, 19:11

Dein Wehrle enthält mit Sicherheit kein Radium mehr.

Wann genau die Abkehr vom Radium war, kann Dir wohl niemand sagen. Die Strahlung neuerer Leuchtmassen soll aber nicht durch das Glas gehen. Dafür verlieren neue Leuchtmassen allerdings auch in wenigen Jahren ihre Leuchtkraft.

Eine gute Vorsichtsmaßnahme ist es, beim Öffnen von Uhren mit Leuchtmassen nicht essen und gleich gar nicht in das Gehäuse reinblasen. So lässt sich das Einatmen von Kleinpartikeln der Leuchtmasse vermeiden.

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Re: Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon Typ1-2-3 » Sa 27. Jan 2018, 20:26

Wir haben spaßeshalber mal einen ziemlich frühen Taschenwecker von gegen 1920 mit einem Geiger-Müller-Zählrohr konfrontiert. Der wurde noch mit Radium bemalt. Außerhalb des Glases war zwar Aktivität festzustellen, aber das war halb so schlimm. Bei einem Taschenwecker wäre das aber für mich schon das KO-Kriterium, weil man diese Uhr ja wirklich am Körper trägt. Mit einem Abstand von ca. 5 cm war keine erhöhte Aktivität mehr festzustellen.
Aber jetzt kommt es: Wir haben das Glas abgehoben, und die Post ging ab. Radium ist ein Alpha-Strahler, und die Strahlung wird relativ zuverlässig durch das Glas und das Werk abgehalten. Kommt man aber mit dem Stoff selbst in Berührung - Stäube, Nahrungsmittel - so gibt es natürlich keine Schutzschicht mehr.
Der Wecker - so würde ich sagen - ist an sich ungefährlich. Stäube usw. sind aber eine andere Sache.
Insofern schließe ich mich der Meinung von Chroniker an.

Frank
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Re: Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon Meistertaucher » So 28. Jan 2018, 14:24

In Ordnung, das beruhigt mich und danke euch beiden für die hilfreichen Tipps für den Umgang mit dem Wecker. Sollte noch jemand Wissenswertes zum Wecker wissen, immer her damit. Ansonsten allen einen schönen Sonntag.
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Re: Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon derTeichfloh » So 28. Jan 2018, 20:22

Hallo,

ich habe ebenfalls solch einen Wecker - und kann auch beruhigen: kein strahlendes Material verwendet.

Wenn du mit einem Geiger-Müller-Zählrohr Strahlung außerhalb der Uhr, also "durch das Glas" messen kannst, dann ist es keine Alpha-Strahlung. Die kann Glas nicht durchdringen (spezielle Materialien wie Glimmer aber durchaus). Was du da misst, ist also Beta- oder Gamma-Strahlung. Radium ist ein Alpha- und Beta-Strahler (zumindest einige Isotope).
Viele Taschen(Uhr)Wecker waren mit radioaktivem Material beschichtet - bis in die 1950 Jahre. So alle mir bekannten Junghans-Taschenuhrwecker...
Tischwecker allerdings seltener (auch wenn ich da einige Exemplare habe).

Gruß,
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Re: Wehrle "Wüstenwecker"

Beitragvon Ursus » Di 6. Feb 2018, 20:40

Chroniker hat geschrieben:Die Strahlung neuerer Leuchtmassen soll aber nicht durch das Glas gehen. Dafür verlieren neue Leuchtmassen allerdings auch in wenigen Jahren ihre Leuchtkraft. Chroniker


Bei diesen neueren Leuchtmassen handelt es sich, wie oben erwähnt, um das Gas Tritium, also um einen Beta-Strahler. Dieses wird in kleine mit einer Leuchtmasse innen beschichteten Glasröhrchen gefüllt. Die emitierten Elektronen regen diese Masse zum Leuchten an. Die Halbwertszeit ist etwa 12,3 Jahre.

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