KUNDO Drehpendelquarzuhr mit Schlagwerk, ca. 1974

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KUNDO Drehpendelquarzuhr mit Schlagwerk, ca. 1974

Beitragvon Der_Stromer » Do 13. Jul 2017, 20:01

Heute mal eine andere „Drehpendeluhr“.
Hersteller ist Kieninger & Obergfell, ca. 1974. Das Uhrwerk ist ein Standard-Quarzwerk. Die Besonderheit bei dieser Uhr ist das Bim-Bam-Schlagwerk auf zwei Glocken. Angetrieben wird das Schlagwerk durch einen kleinen DC-Motor für 1,5 Volt. Dieser wiederum wird durch eine (in meinen Augen) recht aufwändige, aber für die damalige Zeit durchaus übliche Elektronische Steuerung, die hinter dem Ziffernblatt „versteckt“ ist, ausgelöst. Diese Steuerung besteht aus einer Kontaktscheibe, die durch die Stundenwelle angetrieben wird. Auf der Elektronikplatine (Rückseite) sind 3 Kontaktpaare angebracht, die eine elektrische Verbindung der Kontaktplatte zur Elektronik herstellen.
5138-Hinter-dem-Ziffernblat.JPG

Platine hinter dem Zifferblatt versteckt. Im roten Kreis sind die Kontakte zur Schlagwerkumdrehung unter gebracht

5137-Schlagzaehl-Kontakte.JPG

Das ist die Gut-Gebrauchte Kontaktscheibe, auf die ich so lange gewartet habe.

Wie funktioniert nun das Ganze? Steht z.B. der Stundenzeiger auf 5 Uhr, werden im Binärmodus (1 – 2 – 4 – 8) die Information 1 – 0 – 1 – 0 an die Elektronik gemeldet. Auf der Platine befindet sich ein IC UND-Gatter als Vergleicher.
In dem Moment, wo am IC eine Spannung – hier am Eingang 1 des UND-Gatters für 1 bis 8 anliegt, wird der Motor über ein weiteres IC in Betrieb gesetzt. Nun muss ja festgestellt werden, wann der Motor wieder stoppen soll. Über die Stundenwelle geht das nicht, die dreht viel zu langsam. Also treibt der Motor ebenfalls Kontaktpaare an, die an den Eingang 2 des der Gatter gelangen. Die Logik sieht wie folgt aus: Motor ein. Das Kontaktpaar am Motor erzeugt nach der Ersten Umdrehung die logische 1, also 1 – 0 - 0 – 0, Ein- und Ausgang Ungleich, Motor dreht weiter. Bei der zweiten Umdrehung ist die Logik dann 0 – 1 – 0 – 0 = 2 und so weiter. Bei der Umdrehung 4 sieht die Logik so aus: 0 – 0 – 1 – 0 und nach einer weiteren Umdrehung 1 – 0 - 1 – 0 = 5 = Ein- und Ausgang ist gleich, Motor stoppen. Das ist die Bedingung zum Ausschalten des Motors. Ganz einfach, gelle :roll: !
5136-Feststellung-der-Zeige.JPG

Mit diesen Kontakten wird die Zeigerposition festgestellt. Sie wird durch das Stundenrohr angetrieben.

Das ist die Platte, die mit dem Stundenzeiger mitläuft:
5135-Stundenkontaktplatte.JPG


Was war denn nun eigentlich los mit dieser Uhr? Natürlich, sie hat nicht das gemacht, was man eigentlich von so einer Uhr erwarten kann: Zeit zählen und Melden. Und warum machte sie das nicht mehr? Das wurde mir sofort klar! Batterie ausgelaufen☹! Und da nach Stillstand der Uhr die Batterie nicht etwa entfernt wurde (Uhr steht ja, kann man nichts machen) sondern das gute Stück sogar noch auf den Rücken irgendwo in eine dunkle Schublade gesperrt wurde, konnte sich die Batterie lauge im Laufe der Zeit richtig austoben und alle erreichbaren Metallteile angreifen.
Irgendwann fand dann Jemand die Uhr und dachte sich: Egal, die kauft bestimmt jemand im Internet. Und so kam dann diese eigentlich recht hübsche Uhr zu mir, mit der immer gültigen Frage „kannst Du mal….“. Sie kennen mich ja auch und mein Sprachfehler spricht für sich. Das demontieren war, mit einiger Überlegung und Denkakrobatik, dann kein eigentliches Problem mehr. Aber ich muss schon sagen, die Konstrukteure von KUNDO haben sich wirklich was einfallen lassen. Das Werk war wie ein Sandwich aufgebaut: Das Rückteil beherbergte den Motor und die dazugehörige kleine Schaltung. Zwischendrin war das Quarzwerk (Standardwerk der Zeit mit Schrittmotor) untergebracht. Von der Motorplatine ging eine Welle komplett durch das Quarzwerk der Uhr bis zur Platine, die hinter dem Ziffernblatt steckte, der Positionsgeber und Umdrehungszähler. Dazu kamen dann noch die notwendigen Kontaktstifte für Strom. Eine ganz schöne Fieselarbeit, wenn man nicht weiß, wo man anfangen muss. Übrigens: auf jeder Platine war KUNDO und Germany vermerkt. Also kann man annehmen, dass alles komplett von Kieninger & Obergfell entwickelt wurde.
5134-Elektronik-fuer-Schagw.JPG

Alles mit KUNDO gemarkt.

Ach ja, Dem Besitzer war auch die Halterung für das Drehpendel abgebrochen. Keine große Angelegenheit das zu beheben, hat das Drehpendel mit der Uhrzeit nichts zu tun.
Nun, man kann sich schon denken, was eigentlich der Fehler war: Die Lauge hat die Kontaktfedern des Umdrehungszählers zerstört und auch einige Leiterbahnen arg angegriffen. Eigentlich ein Fall für den Elektroschrott, zumindest das Schlagwerk! Aber ich habe ja einen Sprachfehler :shock: . Allerdings hat es fast 12 Monate gedauert, bis ich ein entsprechendes Ersatzteil, das noch intakt war, gefunden habe. Denn anfertigen war für meine kleine Werkstattausrüstung nicht möglich. Aber jetzt funktioniert sie wieder und schlägt Pünktlich mit Quarzgenauigkeit die richtigen Stunden und ½.
Schöne Uhr, auch ohne Gehäuse, dass noch in der Reinigung von Rost war, gelle… :D
5139-Habe-fertig.JPG
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Re: KUNDO Drehpendelquarzuhr mit Schlagwerk, ca. 1974

Beitragvon derTeichfloh » Fr 14. Jul 2017, 18:06

Hallo

und großes DANKE für diesen schönen Beitrag. Gut erklärt und erläutert.
Die "elektrischen" stehen inzwischen ein wenig weit hinten an, denn jeder denkt da gelich an einen einfachen Quarzer.
Wie man hier sieht, steckt oft mehr dahinter.

mfg
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Re: KUNDO Drehpendelquarzuhr mit Schlagwerk, ca. 1974

Beitragvon TitusDH » Mo 17. Jul 2017, 09:49

Schön, dass Du sie gerettet hast, Rolf-Dieter!

Dass ich mal Analogquartz und LCD-Armbanduhren der ersten Generation wiederbeleben würde, hätte ich vor 10 Jahren auch nicht gedacht. Dabei sind viele von denen von namhaften Herstellern und richtig interessant, und auch qualitativ auf einem Niveau, welches man nicht ansatzweise vermuten würde. Immerhin kosteten die in der Saison 1973-75 mehrere 100 USD, das durfte dann auch kein Gelump sein.
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