Bilderrätsel

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Re: Bilderrätsel

Beitragvon Berrnd-Klaus » Mo 13. Nov 2017, 23:32

Hallo Stefan,
die Reparatur am Anker ist Dir sehr gut gelungen,ich hatte sie an Massivanker auch schon einige mal so durchgeführt.
Gruß Bernd-Klaus
Berrnd-Klaus
 
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Re: Bilderrätsel

Beitragvon s.hartig » So 31. Dez 2017, 13:41

Endlich fertig!

Nun hat die Fertigstellung der Uhr doch um Einiges länger gedauert als gedacht, ich hatte einige Rückschläge zu verkraften, meist selbstverschuldete, und bis der damit verbundene Frust jeweils bewältigt war...

Nun aber der Reihe nach:

Die Reinigung der Werksteile in der Trommel (mit Stahlkügelchen und ammoniakhaltiger Reinigungslösung (Elma)) ging flott, die Messingteile kamen schön glänzend raus und ich habe nur leicht und mit minimalem Schleifmitteleinsatz nachpoliert. Rost war auch nur wenig vorhanden, also Stahlteile polieren und, wo so vorgefunden, wieder blau anlassen (Es gab hier eine eigenartige Mischung aus glanzpolierten und angelassenen Teilen, gebläut waren bspw. alle Schrauben, die Schlagwellen, Schlaghammerdrähte, aber auch die Pendelgabel. Ich fand aber keine Hinweise auf eine nachträgliche "Verschönerung" der Stahlteile, dashalb habe ich alles wieder so behandelt wie vorgefunden).
Wellen und Zapfen zeigten sich in gutem Zustand, kein Lager ausgelaufen, nur die Stellung am Federhaus war nachzuarbeiten und ein neuer Stellfinger anzufertigen (nur ein konischer Stahlstift durch die Aufzugswelle):
Federhaus mit Stellung-2.JPG


Schnell war auch das (minimalistische) Räderwerk zusammengesteckt.
Räderkette-2.JPG


Dazu noch die Schlagwerkachsen eingefädelt, und schon konne die Rückplatine aufgesetzt und das Sandwich verstiftet werden. Auch die Ankerwelle war schnell montiert, der Eingriff passte auf Anhieb und die Pendelgabel tickerte gleichmäßig bei leichtem Druck aufs Räderwerk.

Bis dahin ging es wirklich flott voran, die nächste Baustelle war die Kadratur.
Also die Lagerachsen in die Platine geschraubt, die Hebelei in der richtigen Reihenfolge (ergibt sich nach längerem Probieren) eingesetzt und mit frisch gefeilten Vorsteckstiften (im Sortiment fehlte leider die benötigte Zwischengröße) verstiftet. Alles bewegte sich leichtgängig, ich war im Gedanken schon beim Zusammenbau der Uhr. Also schnell noch die Schlagfolge getestet...
Mit Testen alleine war es leider nicht getan. Die Kadratur eines kombinierten Viertel- und Stundenschlagwerks besteht in Summe aus weniger Teilen als bei zwei getrennten Schlagwerken, benötigt aber ein geduldiges Händchen beim Einstellen, insbesondere wenn Vorgänger-Reparateure schon fleissig daran herumgebogen und -gefeilt haben. Hier habe ich die Hebelei bestimmt 20 runter und wieder draufmontiert, dabei immer wieder die Auslösestifte auf dem Minutenrohr justierte und schließlich auch den Stift für die Auslösung zur vollen Stunde wieder an seinen ursprünglichen Platz gesetzt (war wohl mal abgebrochen und der Ersatz knapp daneben eingebohrt worden), bis die Schlagfolge über alle 12 Stunden wieder stimmte.
Werk ZB-Seite-2.JPG
Kadratur Detail.JPG
Werk Schlagwerkseite.JPG


Den fehlenden Minutenzeiger hatte ich inzwischen auch aus passenden Stahlblech gesägt - gefeit - geschliffen - poliert - angelassen - ausgebuchst, so dass ich mit dem Einbau des Werks in das um diverse Zierleisten bereicherte und (mit Ballenmattine) aufpolierte Gehäuse beginnen konnte.

Bei den meisten "Wiener" Tischuhren gibt es eine Blindplatine, die Werk, Zifferblatt und Lünette miteinander verbinden, die ganze Einheit wird dann von vorn ins Gehäuse gesteckt und mit einigen Senkkopfschrauben befestigt. Hier ist die Befestigung des Werks im Gehäuse ist recht schlicht gehalten, es sind vier Pfeiler direkt in das Holz geschraubt, auf die das Werk von hinten ins Gehäuse gesetzt und mit langen Vorsteckstiften befestigt wird. Dazu sind eine lange schlanke Flachzange, gute Beleuchtung und Geduld von Nöten.
Die Lünette mit Glas wird von einem kleinen Scharnier getragen, das mit zwei Senkkopfschrauben am Gehäuse befestigt ist; der Ziffernring und die guillochierte Mittelblende sind mit kleinen Nägelchen direkt auf dem Holz befestigt. Hier waren zunächt einige alte nagellöcher zuzudübel. Da mit keine befriedigende Positionierung von Ziffernring und Mittelblende gelang, habe ich die Befestigungsnägelchen der Blende auf der Rückseite verlötet und umgebogen, so dass sich die Blende nun am Ziffernring hält und in diesem zentriert ist. Der Ziffernring schließlich hängt mit zwei kleinen Holzschrauben am Gehäuse.
Zifferblatt.JPG


Diese finale Lösung entwickelte sich durch learning by doing und war mit wiederholtem An - Ab - und Umbau des Zifferblatts verbunden. Dabei passierte mir leider ein Malheur, unter dem der schon vorher von etlichen Sprüngen und Abplatzungen gezeichnete Ziffernring die Beschädigungen bei 10 und 12 Uhr erlitt.
Danach ließ ich die Uhr erst mal für ein paar Tage in der Ecke stehen, bis der Ärger verraucht war. Die Fehlstellen im Emaille habe ich jetzt nur mal notdürftig kaschiert, mit den vielen Rissen macht wohl auch eine Restaurierung beim Holländer wenig Sinn. Diese Ziffernringe wurden häufig verbaut, vielleicht finde ich in Eisenbach oder Furtwangen passenden Ersatz (oder hat hier jemand einen passenden Ring mit Di = 66 mm / Da = 106 mm abzugeben?)

Weiter ging es mit der Einrichtung des Schlages (Schlaghammer auf Tonfedern). Ist hier auch nicht trivial, der Hammer wird ja zwischen Viertel- und Stundenschlag verschwenkt und soll beide Tonfedern sauber und mit möglichst gleicher Wucht treffen. Auch hier gab es einige Rückschläge, so erwies sich der Schlaghammer als zu kurz und musste per Hartlötung um ca 10 mm verlängert werden (+ polieren, anlassen, Gewinde aufschneiden), dann brach die kleine Tonfeder bei Richten an der Einspannstelle und musste neu verlötet und wieder zurechtgebogen werden.

Kurz vor Weihnachten war die Uhr dann endlich wieder beieinander, hier noch ein paar Eindrücke vom Gesamtwerk:
Uhr frontal.JPG
Uhr Rückseite.JPG
Werk eingebaut Rückseite-2.jpg


Danke für Eure Geduld, allen im Forum einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Stefan
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